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Interim - Eine Ausstellung von Studio 11

Geschätze Lesezeit: 2 Minuten

Zion Yaynu

Als Zion Yaynu begann, an Interim zu arbeiten, hatte sich die Struktur ihrer Tage vollständig verändert. Zeit kam nicht länger in langen, ununterbrochenen Abschnitten. Das Atelier war nicht mehr vom Leben außerhalb getrennt. Gemälde entstanden zwischen dem Stillen, während des Mittagsschlafs, in den kurzen Zeitfenstern, bevor sich die Aufmerksamkeit wieder woandershin verlagern musste. Diese Veränderung ist in den Arbeiten unmittelbar spürbar.

Die Gemälde bewegen sich anders. Gesten halten inne und setzen wieder ein. Schichten wirken verdichtet, dringlich, eher durch Anhäufung aufgebaut als durch endlose Überarbeitung. Manche Spuren scheinen mitten im Gedanken unterbrochen. Andere wirken instinktiv, schnell gesetzt, weil es den Luxus nicht gab, auf den perfekten Moment zu warten. Der Rhythmus der Arbeiten spiegelt den Rhythmus früher Mutterschaft selbst wider: fragmentiert, repetitiv, erschöpfend, intim.

Ein großer Teil der Sprache rund um Mutterschaft beschreibt sie noch immer als Verschwinden. Die Künstlerin verschwindet in der Fürsorgearbeit. Das Individuum löst sich in Verantwortung auf. Kreativer Ehrgeiz wird zweitrangig, selbstsüchtig oder unmöglich. Zions Arbeit stellt sich dieser Annahme entschieden entgegen.

Die Ausstellung im Studio 11 konzentriert sich auf die instabile Phase zwischen Identitäten, auf den Raum zwischen der Person, die sie war, bevor sie Mutter wurde, und der Person, zu der sie dadurch nun wird. Interim benennt diesen Zustand direkt. Ein Interim ist vorübergehend, aber es ist auch folgenreich. Es ist keine Abwesenheit. Es ist ein Übergang.

Eine Besucherin steht vor einem großformatigen roten abstrakten Gemälde.

Was die Arbeit überzeugend macht, ist, dass sie Mutterschaft nicht zum Spektakel macht. Es gibt keinen Versuch, Erschöpfung zu romantisieren oder Opfer zu dramatisieren. Stattdessen bleiben die Gemälde nah an der Beschaffenheit gewöhnlicher Tage, in denen Freude, Frustration, Zärtlichkeit, Wiederholung und Begrenzung nebeneinander existieren. Die Arbeiten vertrauen diesen kleineren emotionalen Realitäten genug, um ihnen aus eigener Kraft Gewicht zu verleihen.

Die Kunstwelt belohnt noch immer häufig ununterbrochene Produktivität, Sichtbarkeit und totale Hingabe an die eigene Praxis. Interim zeigt, wie unrealistisch diese Erwartung sein kann, besonders während einschneidender Lebensveränderungen. Doch anstatt Unterbrechung als Scheitern darzustellen, nimmt Zion sie in die Struktur der Arbeiten selbst auf.

Diese Gemälde sind kein Beweis dafür, dass Zion es geschafft hat, „alles perfekt auszubalancieren“. Die Ausstellung ist stärker als dieses Narrativ. Sie plädiert für etwas Ehrlicheres: dass Identität durch Anpassung überlebt. Dass sich künstlerische Praxis je nach den Bedingungen, die sie umgeben, verändert. Dass allein das Weitermachen zu einem Akt der Selbstbestimmung werden kann.

Am Ende der Ausstellung bleibt nicht die Idee des Verschwindens, sondern Beharrlichkeit. Die Erkenntnis, dass die Frage bei einer Veränderung des Lebens nicht lautet, ob man man selbst bleibt. Die Frage wird vielmehr, wie man Raum dafür schützt, dass dieses Selbst weiter existieren kann. Und mit Interim beantwortet Zion Yaynu diese Frage mit Klarheit.

Mehr zur aktuellen Ausstellung und den gezeigten Kunstwerken findest du auf der Website von Studio 11.

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