Flucht aus Eden - Eine Ausstellung von Studio 11
Alexandra Mitiku
Alexandra, eine koreanisch-äthiopische Künstlerin, arbeitet mit Ton, Indigo, Kalkstein, verbranntem Holz und Textfragmenten, die sie ihren eigenen Tagebüchern und Reflexionen entnimmt. Die Materialien stammen sowohl aus Korea als auch aus Äthiopien und tragen Spuren von Geografie und Bewegung in sich. Nichts in der Arbeit wirkt zufällig. Die Oberflächen erscheinen abgenutzt, geschichtet, beinahe von der Zeit verwittert. Manche Stücke wirken eher wie aus dem Boden geborgene Fragmente als wie neu geschaffene Objekte.
Die Körperlichkeit des Prozesses ist sofort spürbar. Die Arbeiten tragen Spuren von Druck und Berührung. Sie wirken durch Wiederholung geformt, als hätte jedes Stück Zyklen des Zerbrechens und Wiederaufbauens durchlaufen, bevor es in der Galerie angekommen ist.
Die Ausstellung im Studio 11 bezieht ihren Titel aus der Vorstellung von Eden – nicht allein als biblischem Ort, sondern als Zustand, dem Menschen immer wieder nachjagen. Der Glaube, dass das Leben irgendwo anders endlich kohärent wird. Dass ein anderes Land, eine andere Beziehung, eine andere Version des Selbst das Unbehagen der Gegenwart auflösen wird.
Alexandra nähert sich dieser Vorstellung sowohl über persönliche Erinnerung als auch über ererbte Bildsprachen. Bezüge zu äthiopisch-koptischen Traditionen stehen neben Formen, die aus alten koreanischen Kunstgeschichten stammen. Ihre Bird People erscheinen in der gesamten Ausstellung: Figuren, die zwischen menschlicher und symbolischer Form schweben. Sie scheinen nirgends ganz verankert zu sein. Stattdessen existieren sie im Übergang und tragen Migration, Sehnsucht, Erbe und Ungewissheit in sich.
Während sich die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung bewegten, projizierten viele ihre eigenen Wünsche auf die Arbeiten. Gespräche verlagerten sich schnell von den Objekten selbst hin zu persönlichen Fragen nach Ambition, Flucht und Enttäuschung. Die Arbeiten schienen ein vertrautes Muster zurückzuspiegeln: das ständige Ausrichten des Lebens auf einen zukünftigen Punkt, an dem endlich alles Sinn ergeben wird.
Die Ausstellung legt nahe, dass das Problem vielleicht nicht in den Orten liegt, die wir verlassen, oder in den Orten, denen wir nachstreben. Vielleicht liegt es in dem Glauben, dass Erfüllung dauerhaft irgendwo außerhalb der gegenwärtigen Version unserer selbst existiert. Jedes imaginierte Eden trägt Erwartungen in sich. Irgendwann tritt die Realität ein, und die Fantasie bricht auf.
Am Ende der Ausstellung blieb vielen Menschen nicht ein einzelnes Bild oder Material im Gedächtnis, sondern ein Gefühl. Die Erkenntnis, dass Sehnsucht selbst zur Gewohnheit werden kann. Dass Menschen oft Jahre damit verbringen, Zukünften nachzujagen, die sie nicht vollständig benennen können. Und dass es manchmal am schwersten ist zu akzeptieren, dass kein Ort – egal wie fern oder imaginiert – vollständig auflösen kann, was wir mit uns tragen.
Mehr zur aktuellen Ausstellung und den gezeigten Kunstwerken findest du auf der Website von Studio 11.
Zwischen Damals und Jetzt - Eine Ausstellung von Studio 11