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Kaffeewissen

Specialty Coffee – was ist das eigentlich?

Specialty Coffee begegnet Dir heute immer häufiger: auf Kaffeeverpackungen, in Cafés und bei Röstereien. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Und ist Specialty Coffee automatisch besser als herkömmlicher Kaffee?

In diesem Beitrag erfährst Du:

  • Was Specialty Coffee bedeutet und wie der Begriff fachlich definiert wird.

  • Ab wann Kaffee als Specialty Coffee gilt.

  • Wie Rohkaffee und Tassenqualität bewertet werden.

  • Welchen Einfluss Herkunft, Sorte, Ernte, Aufbereitung und Röstung haben.

  • Worin der Unterschied zwischen Specialty Coffee und herkömmlichem Kaffee liegt.

  • Was Specialty Coffee aus Afrika besonders macht.

  • Warum Spezialitätenkaffee häufig mehr kostet.

  • Weshalb hochwertiger Kaffee nicht automatisch als Specialty Coffee bezeichnet werden muss.

Was ist Specialty Coffee?

Specialty Coffee wird im Deutschen meist als Spezialitätenkaffee bezeichnet. Gemeint ist ein Kaffee mit besonderen Eigenschaften, die seinen Wert ausmachen: von spannenden Aromen und einer sensorischen Qualität bis hin zu seiner Herkunft, dem Anbau, der Verarbeitung und den Menschen, die ihn produzieren.

Dabei zählt nicht nur, wie der Kaffee am Ende in Deiner Tasse schmeckt. Auch der Weg dorthin spielt eine wichtige Rolle: vom Anbau und der Ernte über die Aufbereitung bis hin zur Röstung und Zubereitung.

Specialty Coffee ist also nicht einfach Kaffee, der „besonders gut“ schmeckt. Der Begriff steht vielmehr für ein Qualitätskonzept. In die Bewertung fließen unter anderem die sensorischen Eigenschaften des Kaffees, der Zustand des Rohkaffees, seine Rückverfolgbarkeit sowie Informationen zu Anbau und Verarbeitung ein.

Wichtig ist dabei: Nicht jeder hochwertige Kaffee trägt automatisch die Bezeichnung Specialty Coffee. Und umgekehrt bedeutet Specialty Coffee nicht, dass jedes Geschmacksprofil jedem Menschen gefallen muss. Kaffee ist schließlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Ab wann gilt Kaffee als Specialty Coffee?

Die Specialty Coffee Association, kurz SCA, gehört zu den wichtigsten internationalen Organisationen der Kaffeewelt. Ihre Standards und Bewertungsmethoden entwickeln sich stetig weiter – und damit auch das Verständnis davon, was Specialty Coffee ausmacht.

Lange Zeit galt vor allem eine sensorische Bewertung von mindestens 80 von 100 Punkten als Richtwert. Diese Grenze ist im Kaffeehandel bis heute weit verbreitet. Sie sollte jedoch eher als historisch gewachsene Orientierung verstanden werden und nicht als alleinige, aktuelle Definition von Specialty Coffee.

Denn Kaffeequalität lässt sich nicht auf eine einzelne Zahl reduzieren. Die SCA betrachtet inzwischen viele verschiedene Facetten.

Bei der umfassenderen Betrachtung spielen unter anderem diese Aspekte eine Rolle:

  • Die sensorischen Eigenschaften und die geschmackliche Qualität.

  • Der Zustand und mögliche Defekte des Rohkaffees.

  • Die Qualität und Konsistenz der Aufbereitung.

  • Informationen zu Herkunft, Anbau und Lieferkette.

  • Die Art und Qualität von Röstung und Zubereitung.

  • Der Kontext, in dem Qualität und Wert eines Kaffees wahrgenommen werden.

Mit dem Coffee Value Assessment (CVA) verfolgt die SCA deshalb einen moderneren Ansatz. Qualität wird dabei nicht mehr nur in einer einzigen Punktzahl ausgedrückt, sondern differenzierter betrachtet – zum Beispiel nach sensorischen Eindrücken, Wertwahrnehmung, Qualitätserwartung und Nutzungskontext.

Wie wird Specialty Coffee bewertet?

Die Qualität eines Kaffees beginnt lange vor dem ersten Schluck. Zunächst wird der Rohkaffee genau betrachtet: Sind die Bohnen gleichmäßig entwickelt? Gibt es Defekte oder Schäden? Wie wurden die Kaffeekirschen geerntet und verarbeitet?

Danach wird der Kaffee geröstet und sensorisch verkostet. Geschulte Verkoster achten dabei unter anderem auf folgende Eigenschaften:

  • Welche Aromen lassen sich wahrnehmen?

  • Wie klar und intensiv wirkt der Geschmack?

  • Wie spielen Süße und Säure zusammen?

  • Welches Mundgefühl und welcher Körper entstehen?

  • Wie lange bleibt der Nachgeschmack?

  • Ist der Kaffee ausgewogen und frei von unerwünschten Fehlaromen?

Auch die Zubereitung beeinflusst das Ergebnis in der Tasse. Mahlgrad, Wassertemperatur, Brühmethode und Extraktionszeit bestimmen, wie sich die Eigenschaften eines Kaffees entfalten.

Was macht Specialty Coffee besonders?

Herkunft

Land, Region, Farm, Höhenlage, Klima und Boden prägen die Entwicklung der Kaffeekirschen. In höheren Lagen herrschen häufig niedrigere Temperaturen. Dadurch können die Kirschen langsamer reifen. Abhängig von Varietät, Klima und weiteren Anbaubedingungen kann das die Entwicklung komplexer Aromen und einer lebendigen Säure begünstigen.

Die Herkunft verrät Dir außerdem viel über die Bedingungen, unter denen der Kaffee angebaut und verarbeitet wurde. Je genauer sich ein Kaffee zurückverfolgen lässt, desto besser können Produzenten, Röstereien und Kaffeeliebhaber seine Eigenschaften einordnen.

Kaffeesorte

Arabica ist eine Kaffeeart – aber keine Qualitätsgarantie. Innerhalb dieser Art gibt es zahlreiche Varietäten mit unterschiedlichen genetischen Eigenschaften und Geschmacksprofilen.

Ob sich das Potenzial einer Varietät tatsächlich in der Tasse zeigt, hängt jedoch nicht nur von der Sorte ab. Auch der Anbauort, das Klima, die Ernte und die Verarbeitung spielen eine entscheidende Rolle.

Ernte

Bei vielen hochwertigen Kaffees werden reife Kaffeekirschen selektiv von Hand gepflückt. Das ist aufwendig, kann aber zu einer gleichmäßigeren Qualität beitragen.

Unreife oder überreife Früchte können das Aromaprofil und die Haltbarkeit des Rohkaffees beeinträchtigen. Eine sorgfältige Ernte ist daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem ausdrucksstarken Kaffee.

Aufbereitung

Nach der Ernte werden die Kaffeekirschen je nach Verfahren unterschiedlich aufbereitet. Dabei werden Fruchtfleisch und Schleimschicht entweder vor, während oder nach dem Trocknen von den Kaffeebohnen entfernt. Die gewählte Methode beeinflusst das spätere Geschmacksprofil.

  • Gewaschene Aufbereitung: Das Fruchtfleisch wird vollständig von der Kaffeekirsche entfernt, bevor die Bohnen getrocknet werden. Dadurch entsteht meist ein klarer, sauberer und säurebetonter Geschmack.

  • Natural-Aufbereitung: Die Kaffeekirschen werden mitsamt Fruchtfleisch getrocknet. Das sorgt häufig für fruchtige, süße und körperreiche Aromen.

  • Honey-Aufbereitung: Ein Teil des Fruchtfleischs bleibt beim Trocknen an der Bohne. Diese Methode verbindet oft die Klarheit gewaschener Kaffees mit der Süße und dem Körper von Natural-Kaffees.

Die Aufbereitung ist dabei kein Qualitätsurteil an sich. Entscheidend ist, wie sorgfältig das Verfahren durchgeführt wird und ob es zum gewünschten Kaffee passt.

Röstung und Zubereitung

Röstung und Zubereitung beeinflussen maßgeblich, wie sich die Aromen eines Kaffees in der Tasse entfalten. Die Röstung bestimmt unter anderem Süße, Säure und Körper, während Mahlgrad, Wassertemperatur, Brühzeit und Wasserqualität die Extraktion beeinflussen.

Eine passende Röstung und Zubereitung können die besonderen Eigenschaften des Kaffees hervorheben und für ein ausgewogenes Geschmackserlebnis sorgen. Entscheidend ist, dass beide auf den jeweiligen Kaffee abgestimmt sind.

Specialty Coffee vs. herkömmlicher Kaffee – was ist der Unterschied?

Vergleichsgrafik Speciality Coffee im AC Design

Diese Gegenüberstellung bedeutet nicht, dass Kaffee außerhalb des Specialty-Bereichs schlechter ist. Auch unser Afro Coffee fällt zwar nicht unter die Bezeichnung Specialty Coffee, steht aber für eine sorgfältige Auswahl und hochwertige Verarbeitung. Die Kaffeekirschen werden von Hand gepflückt, schonend aufbereitet und getrocknet. Unser Kaffee wird außerdem unter fairen Bedingungen gehandelt und ist Fairtrade-zertifiziert. So verbinden wir eine hohe Kaffeequalität mit mehr Transparenz und besseren Bedingungen entlang der Lieferkette, die ebenfalls zur Qualität unseres Kaffees beitragen. Entdecke jetzt unseren Afro Coffee und erfahre mehr über seine Herkunft und seinen besonderen Geschmack.

Ist Arabica automatisch Specialty Coffee?

Nein.

Arabica bezeichnet die Kaffeeart Coffea arabica. Specialty Coffee beschreibt dagegen einen Qualitätsstandard beziehungsweise einen Qualitätsbereich. Nicht jeder Arabica erfüllt die Kriterien für Specialty Coffee.

Genauso wenig wird die Qualität allein durch das Wort „Arabica“ bestimmt. Auch Sorte, Herkunft, Reifegrad, Verarbeitung, Lagerung, Röstung und Zubereitung beeinflussen, was später in Deiner Tasse ankommt.

Mehr über die Eigenschaften, Herkunft und geschmacklichen Unterschiede von Arabica erfährst Du in unserem Artikel Arabica Kaffee – Herkunft, Geschmack und warum er so beliebt ist.

Specialty Coffee aus Afrika

Afrika gehört zu den bedeutendsten Kaffeeursprüngen der Welt. Besonders Äthiopien und Tansania stehen für vielfältige Anbauregionen, oft große Höhenlagen und unterschiedliche Varietäten.

Äthiopische Kaffees haben oft florale, zitrische oder teeartige Noten. Kaffees aus Tansania werden häufig mit lebendiger Säure, fruchtigen Aromen und einem klaren Profil verbunden.

Solche Beschreibungen sind jedoch nur Orientierungspunkte und keine festen Regeln. Jeder Kaffee entwickelt seinen eigenen Charakter – geprägt durch seine konkrete Herkunft, die Ernte, die Aufbereitung und die Röstung.

Nicht jeder Kaffee aus Afrika ist automatisch Specialty Coffee. Umgekehrt hat auch Kaffees außerhalb dieser Kategorie eine beeindruckende Qualität und eine besondere geschmackliche Identität.

Mehr über die Vielfalt afrikanischer Kaffees, die Besonderheiten der Anbauregionen und charakteristische Geschmacksprofile erfährst Du in unseren Beiträgen Kaffee aus Afrika – Ursprung, Vielfalt und Nachhaltigkeit, Kaffee aus Äthiopien - Das Ursprungsland des Kaffees und Kaffee aus Tansania – Kräftiger Genuss vom Kilimandscharo.

Warum ist Specialty Coffee so teuer?

Specialty Coffee ist häufig teurer, weil entlang der gesamten Lieferkette mehr Aufwand anfällt. Mögliche Gründe sind:

  • die selektive Ernte reifer Kaffeekirschen

  • eine aufwendige Aufbereitung und Trocknung

  • kleinere Produktionsmengen

  • intensive Qualitätskontrollen

  • eine detaillierte Rückverfolgbarkeit

  • höhere Preise für besonders gute Rohkaffees

  • Investitionen in Infrastruktur und Verarbeitung

Ein höherer Preis kann also durch mehr Handarbeit, eine bessere Rohkaffeequalität und eine transparentere Lieferkette entstehen.

Trotzdem gilt: Teurer bedeutet nicht automatisch besser. Und günstiger Kaffee ist nicht automatisch minderwertig.

Ist Specialty Coffee automatisch besser?

Specialty Coffee steht für Kaffee mit besonderen Eigenschaften. Welche Eigenschaften dabei besonders geschätzt werden, kann jedoch unterschiedlich sein.

Wenn Du kräftige, schokoladige und nussige Aromen liebst, gefällt Dir vielleicht ein anderer Kaffee besser als jemandem, der fruchtige, florale oder zitrische Noten sucht.

Beide Geschmacksrichtungen können für hochwertige Kaffees stehen – unabhängig davon, ob einer davon als Specialty Coffee klassifiziert ist.

Fazit: Specialty Coffee verständlich erklärt

Specialty Coffee ist mehr als ein modernes Schlagwort. Der Begriff beschreibt wie die Qualität und der Wert eines Kaffees aus verschiedenen Perspektiven bewertet werden.

Herkunft, Sorte, Ernte, Aufbereitung, Röstung und Zubereitung wirken dabei zusammen. Jeder einzelne Schritt kann den Charakter des Kaffees beeinflussen und dazu beitragen, welche Aromen Du am Ende in Deiner Tasse entdeckst.

Gleichzeitig ist Specialty Coffee nicht die einzige Form von hochwertigem Kaffee. Auch Kaffees ohne diese Kennzeichnung können sorgfältig ausgewählt, verantwortungsvoll gehandelt und geschmacklich außergewöhnlich sein.

Entscheidend ist, transparent zu kommunizieren, woher ein Kaffee kommt, wie er verarbeitet wurde und welche Qualität tatsächlich dahintersteht. Und natürlich: dass er Dir schmeckt.

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