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Ohne Worte

Geschätze Lesezeit: 2 Minuten
(20. Sept. – 20. Nov.)
Von: Hani Mikiyas

Als man Hani Mikiyas bei der Ausstellung zum ersten Mal begegnete, waren viele überrascht. Sie gingen davon aus, dass sie den üblichen Weg gegangen war: Kunsthochschule, Residenzen, Kollektive, Kritiker. Nichts davon traf zu.

Hani ist eine Autodidaktin. Acht Jahre lang arbeitete sie still im Hintergrund als Assistentin einer der angesehensten Künstlerinnen Äthiopiens. Tag für Tag erschien sie im Atelier, half bei der Vorbereitung von Ausstellungen, spannte Leinwände auf, mischte Farben und lernte, indem sie zusah. Sie hatte keinen Kreis von gleichaltrigen KünstlerInnen. Sie hatte keine öffentlich sichtbare künstlerische Praxis. Ihre Welt war dieses Atelier und die Disziplin, die es verlangte.

Außerhalb dieses Raumes führte sie ein anderes Leben. Hani arbeitete außerdem als Sozialarbeiterin und verbrachte lange Stunden mit Frauen, die sich in komplexen persönlichen Lebenslagen befanden. Sie hörte mehr zu, als sie sprach. Sie lernte, wie viel Menschen durch ihre Körperhaltung, ihre Gesten und ihr Schweigen preisgeben. Das Malen wurde zu etwas, das sie im Privaten tat, eine Art, all das, was sie aufnahm, zu verarbeiten – ohne die Erwartung, dass diese Arbeiten jemals gezeigt würden.

Als Studio 11 sich entschied, Hani ihre erste eigene Solo-Präsentation zu geben, war das nicht einfach nur eine Ausstellung. Es war eine Unterbrechung eines Musters. Zum ersten Mal existierte ihre Arbeit außerhalb des Schattens eines anderen Namens. Zum ersten Mal begegneten Menschen ihr als der Künstlerin, nicht als der Assistentin.

Die Reaktionen überraschten sogar sie selbst. BesucherInnen blieben lange. Gespräche entstanden. Viele waren nicht nur von ihrer Technik beeindruckt, sondern von der Ehrlichkeit ihrer Präsenz. Wenn Hani über die Ausstellung sprach, redete sie nicht über Karrieremeilensteine. Sie sprach von Erleichterung. Davon, sich gesehen zu fühlen. Davon, endlich zu glauben, dass ihre Stimme zählt – auch ohne formale Abschlüsse.

Für Studio 11 wurde Ohne Worte zu einer Erinnerung daran, warum Zugang wichtig ist. Talent kündigt sich nicht immer laut an. Manchmal wartet es geduldig darauf, dass ihm erlaubt wird, hervorzutreten.

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