Das Vermächtnis eines Mannes
Dieses Projekt ist sehr persönlich.
„The Legacy of a Man“ ist ein Liebesbrief von Studio‑11‑Mitgründerin Nafkot Gebeyehu an ihren Vater Gebeyehu Ayele, einst ein gefeierter äthiopischer Schriftsteller, der nun langsam in den stillen Nebel der Demenz hinübergleitet. In den letzten vier Jahren hat sie ihn in seinen sanftesten Momenten festgehalten: wie er Tee trinkt, aus dem Fenster blickt, langsam durch den Garten ihres Hauses geht. Gewöhnliche Gesten. Doch wenn die Erinnerung zu schwinden beginnt, wird das Gewöhnliche heilig.
Fotografie wurde zu ihrem Anker, zu ihrer Art, festzuhalten. Jedes Bild in dieser Serie trägt die Schwere von Erinnerung, seine Zärtlichkeit, seine Stärke, seine Präsenz. Während seine Worte verblassten, fand Nafkot eine neue Sprache in Licht und Schatten. Diese Bilder sind ein Versuch, das zu bewahren, was bleibt – und eine Trauer und Liebe zu teilen, die viele von uns nur allzu gut kennen.
Die Eröffnung dieser Ausstellung in Studio 11 war für Nafkot mehr als ein künstlerischer Meilenstein; sie war ein zutiefst heilender Prozess. Besucherinnen und Besucher kamen in der Erwartung, die Geschichte eines anderen Menschen zu sehen, doch viele gingen mit Gedanken an ihre eigene zurück. Sie verweilten lange vor den Fotografien, Tränen traten leise in ihre Augen, Erinnerungen an ihre eigenen Eltern, Großeltern, geliebten Menschen stiegen auf. Das Unausgesprochene wurde geteilt.
Einer der letzten Texte an der Galeriewand lautet: „Nimm deine Kamera. Oder dein Handy. Halte deine Liebsten jetzt fest, so wie sie sind. Nicht perfekt. Einfach echt.“
Diese Ausstellung handelt nicht nur von Nafkots Vater. Sie handelt von uns allen. Sie handelt von Zeit, Erinnerung, Liebe und dem Schmerz, mitanzusehen, wie ein geliebter Mensch langsam entgleitet. Sie handelt von dem verzweifelten, wunderschönen Akt, festhalten zu wollen.
Wir sind Afro Coffee zutiefst dankbar für die Unterstützung dieses Projekts und dafür, dass sie uns geholfen haben, diese zarte, universelle und zutiefst menschliche Geschichte mit der Welt zu teilen.
Von Anfängen und Visionen